In der öffentlichen Diskussion um das Problem des Fluglärms verbergen die Vertreter der Luftfahrtbranche schon immer eigene wirtschaftliche Interessen hinter einer großen Kulisse aus Modernität, Weltläufigkeit und Allgemeinwohl. Auf der anderen Seite steht die Ausgrenzung der Betroffenen als spießig, eigennützig und sozialschädlich. Kaarster  gegen Fluglärm setzen sich mit den klassischen Argumenten auseinander:


„Alle, auch die Fluglärmgegner, wollen die Vorteile des Fliegens nutzen. Folglich muss man auch bestimmte Nachteile wie Fluglärm in Kauf nehmen.“

Flugverkehr wird für die Menschen in den benachbarten Gemeinden eines Flughafens nicht ohne Lärm abgehen. Aber es muss einen fairen Ausgleich zwischen den Mobilitäts- und den Gesundheitsinteressen der Menschen geben. So ist es nicht notwendig, dass die Zahl der Flugbewegungen  am späten Abend  bis in die Nacht gesteigert wird, nur damit man zwei Stunden länger in der Urlaubssonne liegen kann. Wir kämpfen gegen die geplante Betriebserweiterung und gegen zusätzliche Steigerungen der Belastung in den Morgen- und Abendstunden, weil wir glauben, die Gesundheitsbelastung darf nicht weiter steigen. 

„Mich stört der Fluglärm nicht.“

Das ist prima. Die genaue Lage des Grundstücks zu den Flugrouten, Lärmschutzmaßnahmen am Haus, Lebensgewohnheiten, Gartennutzung, alles sind Faktoren, die die Lärmempfindlichkeit entscheidend beeinflussen. Im Abstand von zwei km vom Flughafen gibt es möglicherweise keinen relevanten Fluglärm, sehr wohl aber noch 15 km entfernt in Verlängerung der Pisten. Dass man selbst kein Problem hat, bedeutet nicht, dass andere auch keins haben, auch wenn sie vielleicht gleich gegenüber wohnen. Allerdings ist erwiesen, dass Lärm krank macht, auch dann, wenn man sich an ihn schon gewöhnt hat. Zudem: wenn die Landeintervalle immer kürzer werden, wird der Lärmpegel in den betroffenen Orten zum Dauerlärm.

„Die Leute ziehen in die Nachbarschaft des Flughafens und dann fangen sie an, sich über den Lärm zu beschweren."

Es geht aktuell in Kaarst gar nicht um den Lärm der schon da ist, sondern um den der dazu kommen soll. Niemand kann allen Ernstes von uns verlangen, zusätzliche, von Genehmigung zu Genehmigung wachsende Belastungen schweigend hinzunehmen. Vor allem, ist die zusätzliche Lärmbelästigung nicht notwendig, weil der Flughafen an seine Kapazitätsgrenzen gelangt ist sondern weil er aus betriebswirtschaftlichen Gründen in den lukrativeren Abendstunden und Sommermonaten zusätzliche Landemöglichkeiten für Urlaubsflieger schaffen möchte.

„Ich war neulich selbst in Kaarst und habe nichts gehört.“

Erstens ist Kaarst nicht so klein, dass der Fluglärm überall ein großes Problem ist. Zweitens hängt die örtliche Belastung sehr stark vom Wetter ab und den daraus folgenden Entscheidungen der Flugsicherung.

"Wem es in der Umgebung des Flughafens zu laut ist, der muss halt wegziehen."

Es kann nicht sein, dass der Flughafen, allein aus betriebswirtschaftlichen Gründen, die Gewinne erhöht oder dass noch mehr Rückkehrmöglichkeiten aus dem Urlaub in die Zeit nach 20.00 Uhr gelegt werden und die hier wohnenden Menschen sind die Leidtragenden, weil sich der Wert ihrer Immobilie und ihre Lebensqualität verschlechtern. Wir können vom Staat einen fairen Ausgleich zwischen den Mobilitätsbedürfnissen und den Gesundheitsinteressen der hier lebenden Menschen erwarten. Mit dem gleichen Recht könnte man fordern, der Flughafen muss seinen Betrieb einstellen, weil ich nicht gestört werden möchte. Eine solche, absurde Forderung stellen wir nicht. Genauso wenig sollte man deshalb verlangen, dass die Menschen hier wegziehen, damit der Flughafen noch mehr Lärm machen kann. 

„Die Flugzeuge werden immer leiser. Deshalb ist Wachstum kein Problem.“

Richtig ist, dass es seit der Einführung der Strahltriebwerke große Fortschritte bei der Reduzierung der Lärmemissionen gegeben hat. Diese Fortschritte sind aber weitgehend längst ausgereizt. Aus wirtschaftlichen Gründen werden sogar manche Entwicklungen zurückgenommen. Fliegen wird längst wieder lauter. Die Menschen im Flughafenumland zahlen die Zeche für die Billigflieger und Sparmaßnahmen der Luftverkehrsunternehmen.

„Warum kümmern Sie sich nur um die Lärmbelastung, und nicht um den Schadstoffausstoß?“

Weil wir nicht gegen den Flughafen kämpfen, sondern gegen den Lärm. Wir in Kaarst sind vom Lärm besonders betroffen. Die Schadstoffbelastung ist ein großes Problem, aber sie betrifft alle Menschen in der Region weitgehend gleich. Abgase verteilen sich auf alle. Dieses Thema ist deshalb in der Politik besser aufgehoben als bei einer Interessenvertretung von besonders betroffenen Bürgern. Im Übrigen: wenn mehr Starts und Landungen stattfinden, erhöht sich auch der Schadstoffausstoß. Gelingt es uns also, die Erhöhung der Flugkapazitäten zu verhindern, hilft dies auch an dieser Stelle.

„Verkehrslärm ist viel schlimmer“

…aber ein ganz anderes Thema, über das man natürlich auch sprechen kann.

„Das bringt doch alles sowieso nichts, gegen den Flughafen kann man nichts ausrichten“

Wir sind nicht gegen den Flughafen, sondern gegen mehr Lärmemissionen aus wirtschaftlichen Interessen. Wir konzentrieren uns nicht auf Wunschträume, sondern auf das, was man mit Herz und Verstand machen kann. Da geht noch einiges:

-        Wir haben heute das Internet. Wir können uns informieren.

-        Wir können uns bei unseren Forderungen am Lärmschutz an anderen Flughäfen im In- und Ausland orientieren, wo man zum Teil viel weiter ist.

-        Wir können uns mit anderen Initiativen zusammenschließen, auf deren Erfahrungen und Netzwerke zurückgreifen und unser Wissen einbringen

-        Wir können andere Betroffene unterstützen, die sich allein nicht zu helfen wissen. Zum Beispiel bei Eingaben

-        Wir können für Transparenz kämpfen, wenn in Fluglärmkommissionen hinter verschlossenen Türen angeblich unsere Interessen vertreten werden.

-        Wir können die kommunale Politik und Verwaltung unterstützen, damit sie in der übrigen Bevölkerung Rückhalt für Maßnahmen gegen mehr Fluglärm hat

-        Wir können uns für ein gemeinsames Vorgehen mit den Nachbarkommunen einsetzen.

-        Wir können für veränderte Prioritäten bei Genehmigungen kämpfen: Lärmschutz geht vor Wirtschaftlichkeit

-        Wir können Lobbyarbeit in Düsseldorf, Berlin und Brüssel organisieren und mit der Bundesinitiative gegen Fluglärm für faire Gesetze und Verfahren kämpfen

-        Wir können messen und dokumentieren, wo bisher der Flughafen allein die Informationshoheit beansprucht

Vielleicht sind Sie selbst vom Lärm betroffen. Oder sie fliegen gern und viel und finden es nur fair, dass dabei nicht andere zu Schaden kommen. Beides gute Gründe, bei uns mitzumachen. Wir freuen uns auf Sie!

PS: Weitere Argumente auf die gleichen Thesen finden Sie im Blog Lärmschutzzone.